Pädagogische Diagnostik



In der Alltagspraxis kamen wir zu der Schlussfolgerung, dass die meisten vorliegenden Diagnostiken (psychiatrische und psychologische) für die Jugendlichen primär auf Defizite und Störungen ausgerichtet sind. Ressourcen und Entwicklungschancen werden dabei kaum berücksichtigt.

Der biographische Ansatz, wie er sich in letzter Zeit auch in der Sozialpädagogik immer stärker durchzusetzen beginnt, kann hier eine Allternative bzw. Ergänzung bieten. Mithilfe eines auf die Erfordernisse der sozialen Arbeit zugeschnittenen Methodenarrangements, das sich in der Hauptsache auf das «Narrative Interview» nach Fritz Schütze, die Genogrammanalyse (mindestens 3 Generationen) nach Bruno Hildenbrand und die Sequenzanalyse (Objektive Hermeneutik nach Ulrich Oevermann gründet, kann es in einem viel präziseren Sinne gelingen, einen Zugang zu den Lebenswelten des Jugendlichen zu finden.

Diese Form der Diagnostik hat zum Ziel, die Problemlagen der Jugendlichen, die beim ISE aufgenommen werden, als Grundlage für eine passgenaue Hilfeplanung in ihrer Genese zu rekonstruieren. Es wird ermittelt, wie die spezifische biografische Situation innerhalb der Herkunftsfamilien der Jugendlichen unter Betrachtung mehrerer Generationen und Einbezug der gesellschaftlichen Rahmenbedingungen entstand. Mit dem Verständnis, wie und warum eine bestimmte Biografie oder Lebenslage sich so entwickelte, wie sie ist, kann mit dem Jugendlichen wesentlich effizienter daran gearbeitet werden, seine Lebensstrukturen positiv zu beeinflussen